Monday, August 28, 2006


Tschechien: 11.8. bis 15.8.2006
Margit und Erich Dirnberger
Puppi 1
Melitta Koinegg
Franz Partl
Puppi 2

Freitag: 11.8.2006:
Eigentlich sollten wir um 15 Uhr bei den Dirnbergers sein, aber der stärker werdende Regen schreckt uns ein wenig ab und verzögert dadurch die Abreise. Wir denken uns dann aber: die vielen Expeditionen wären wohl alle abgesagt worden, wenn jeder so zimperlich gewesen wäre. Also starten wir um 16 Uhr, nachdem wir uns ausgiebig von Dani verabschiedet haben. Wir fahren über Bad Gams, Stainz, dann über die Autobahn bis nach Trieben, durch die Kaiserau nach Admont, über St. Gallen, Altenmarkt, Waidhofen an der Ybbs, Amstetten, Grein an der Donau, St. George im Walde, nach Groß Gerungs, durch Wurmbrand (dieser Name erheitert uns noch einige Tage lang), nach Weitra und erreichen dann endlich völlig durchgefroren Harbach, ein kleines verschlafenes Dorf an der tschechischen Grenze. Hier habe ich im Landgasthof Binder für 4 Nächte zwei Doppelzimmer reserviert. Da wir erst um 21 Uhr 15 ankommen, versorgt uns der Herr Wirt nur noch mit Suppen und kalter Jause, aber da er noch einige Biere für uns und heiße Tees für Margit übrig hat, sind wir wieder zufrieden.
Gefahrene Kilometer: 367
Samstag: 12.8.2006:

Um 8 Uhr treffen wir uns zum Frühstück. Wir stärken uns am reichhaltigen Buffet mit Harbacher Bauernbutter und hausgemachter Marmelade, Bio - Müsli mit Bio - Joghurt, Schinken, Käse und verschiedene Weckerl. Trotzdem können wir uns losreißen und starten kurz nach 9 Uhr mit unserem ersten Ausflug. Das Wetter ist ja nicht so lupenrein, aber wie kommen wir sonst nach Tschechien. Franz und ich planen schon sehr lange, dieses Land zu besuchen, nun wollen wir nicht so leicht aufgeben. Wir fahren über den Mandlingstein, laut unserem Wirten ein Pass mit einer Serpentine! Es geht über Heinrichs und Phyrabruck über die Grenze nach Nova Hrady. Beinahe hätten wir Einreiseprobleme mit dem Reisepass von Franz, er ist bereits seit dem 9.7. abgelaufen, und in Tschechien muss er noch 6 Monate gültig sein. Wir haben es nur der Güte des Beamten zu verdanken, dass er uns passieren lässt. Nicht auszudenken, wenn wir deshalb abbrechen hätten müssen. Als ersten Ort steuern wir Trebon an. Wir sind äußerst positiv überrascht und stellen die Fahrzeuge mitten am Marktplatz ab.
Wir schlendern durch die Altstadt, durch Burgtore und Burghöfe hindurch und bezwingen den Stadtturm um 15 Kronen pro Person, das sind 1,20 € für zwei Leute. Ich kaufe am Markt eine Tiffany Kette und eine Keramiksonne und im Spar Markt 2 Wasserflaschen.
Bei diesigem Wetter fahren wir weiter nach Levski und erreichen Hluboka. Hier parken wir neben einer Gaststätte, in der wir auch zu Mittag essen. Franz und Erich essen ein hervorragendes Steak, Margit und ich essen Zucchini mit Käse. Als Nachtisch gibt es noch einen Überraschungsstrudel (mit Äpfeln gefüllt). Unser üppiges Mahl kostet 25 €, und das obwohl sie für sich günstig umrechnen. Das WC hat originelle Türgriffe, von Eislaufschuhen hat man zu diesem Zwecke die Kufen hergenommen. Sie spielen Musik im Stile der Comedian Harmonists – mir gefällt es!
Während wir essen, wird ein Ritterturnier angekündigt. Dazu gibt es einen Aufmarsch von Rittern hoch zu Roß, die die Termine mit Trommelschlägen verkünden.
Trotz Nieselregen wandern wir zum Schloss. Wir sind überrascht und erfreuen uns am schönen Garten und an den schönen Innenhöfen des Schlosses. Leider wird die Führung nur in Tschechisch angeboten und wir müssten fast eine Stunde warten. Ohne Begleitung lassen sie uns nicht hinein.
Also fahren wir weiter nach Budweis. Leider beginnt es mehr zu regnen, daher halten wir den Besuch eher kurz. Zuerst marschiere ich mit aufgeklapptem Helm durch die Stadt, dann verpacken wir die Helme und gehen am schönen Hauptplatz unter den Arkaden, da sind wir auch geschützt.
Nach dem Rundgang fahren wir weiter nach Krumlov. Wir stellen die Puppis in der Fußgängerzone ab und steigen zur Burg auf. Leider ist es schon so spät, dass wir umkehren müssen. Da wir in unserem Gasthof Halbpension gebucht haben und die Essenszeiten von 17 Uhr 30 bis 18 Uhr 30 (mit persönlichem Einverständnis des Wirtes bis 18 Uhr 45!) festgelegt sind, müssen wir uns sputen. Franz wählt trotzdem die Route über Kaplice und den Grenzübergang Wullowitz, obwohl es über Nova Hrady zurück wesentlich kürzer wäre. Seine Ausrede ist die Freude am Mopedfahren, ich habe den Verdacht, dass ihm die Mädels, die am Straßenrand das Geld verdienen, gefallen.
Wir tanken im Niemandsland zwischen beiden Grenzstationen um 36€.
Nach der Grenze geht es über Leopoldschlag, Windhaag, Sandl, Karlstift, Harmanschlag zurück nach Harbach. Wir sind ungefähr um 19 Uhr zu Hause – unser Abendessen ist in Gefahr. Der Wirt erbarmt sich und bringt uns Backerbsensuppe, Schweinsmedaillons (dreimal mit und einmal ohne Fleisch) mit Kroketten und Schwammerlsauce. Es gibt sogar eine Erdbeerbiskuitroulade. Margit braucht wieder einige Früchtetees zum Aufwärmen, für uns reicht Bier.
Gefahrene Kilometer: 208,7
Sonntag: 13.8.2006:
Frühstück gibt es wie gewohnt um 8 Uhr. Um ca. 9 Uhr fahren wir los.
Heute wollen wir uns Krumlov noch einmal genauer ansehen. Dazu geht es wieder über den Mandlingstein, Heinrichs, Phyrabruck und Nova Hrady, aber diesmal gleich quer über Kaplice nach Krumlov. Wir wollen keine Zeit verlieren und uns sofort den Ort ansehen. Heute ist das Wetter schön, also kann nichts schief gehen. Wir stellen die Fahrzeuge beim Eingang zur Fußgängerzone ab. Ein Tscheche warnt uns zwar, dass wir eine Strafe bezahlen müssten, wenn hier stehen bleiben. Aber wo gibt es hier Polizei? Wir spazieren durch die Stadt, überqueren eine der schönen Holzbrücken, sehen den Ruderern zu, wie sie über einen kleinen Wasserfall raften.
Ein Boot versinkt im Fluss! Danach steigen wir auf den Burgberg, sehen uns den Schlossgarten mit dem Schlossteich an. Dann gelangen wir wieder auf den steinernen Arkadenübergang, wo wir gestern umgekehrt sind, zum Burggelände. Wir machen noch einige Fotos mit Sonne, die hat sich ja gestern nicht gezeigt. Die Bären im Burggraben sind heute nicht auffindbar, die konnten wir wiederum gestern am Nachmittag beobachten.
Als uns der Hunger zu sehr plagt, suchen wir uns an der Moldau ein nettes Lokal, mit deutsch sprechendem allein unterhaltenden Kellner, der uns frischen Zander empfiehlt. Wir schlagen zu und bereuen es nicht. Als Nachtisch gibt es noch heiße Himbeeren mit Vanilleeis und Schlag. Wir bezahlen zwar 38 € für das Mahl, aber jeder Cent ist gut angelegt und zum Klemmen sind wir nicht hier. Schön gemütlich kehren wir zu den Fahrzeugen zurück und stellen fest, dass eine schöne rote Klaue die Vorderreifen ziert. Am Tankrucksack klebt ein Pickerl mit der Aufschrift: Ihr Auto ist blockiert, rufen Sie folgende Telefonnummer an… oder kontaktieren Sie die nächste Polizeidienststelle. Wir wollten es ja nicht anders.
Die Männer marschieren schön brav zur Polizei, dort wird Ihnen mitgeteilt, dass die Beamten auf Außendienst unterwegs seien und wir warten sollten, bis sie zu uns kommen. So vergeht kostbare Zeit. Als die Burschen endlich auftauchen, müssen wir 500 Kronen bezahlen, natürlich in Landeswährung und rein zufällig gibt es eine Wechselstube am Platz und natürlich zum schlechtesten Kurs, der uns heute untergekommen ist. Wir bezahlen 20 €, ich diskutiere mit einem deutsch sprechenden Beamten, warum nicht genau hingewiesen wird, dass Parkverbot besteht und frage ihn ob es in der ganzen Tschechei so ist, aber er steigt nicht darauf ein und sagt nur es tut ihm leid, er hätte nach drei Stunden nachgesehen und entdeckt, dass 20 Motorräder und 2 Autos den gesamten Platz verstellt haben. Komisch ist nur, dass die Motorräder, die vor der Fußgängerzonenkennzeichnung parken auch blockiert sind. Wir machen uns nichts weiter daraus und verlassen die Stadt über Horni Plana
zum Lipno Stausee, fahren ein Stück entlang des Sees und sehen sehr viele holländische Gespannfahrer und Campierende am See. Wir erreichen das Schloss Rožmberk,welches wir zu Fuß erklimmen, während die Motorräder am Raftingbootsplatz parken. Wir bleiben nicht so lange und fahren über Kaplice, Nova Hrady, Phyrabruck, Heinrichs, zurück nach Harbach.
Heute gibt es zum Abendessen: Knoblauchsuppe, Gemüsemedaillons für mich und Schweinsbraten für die Fleischtiger, und als Nachtisch eine Malakofftorte. Zum Trinken gibt es Tee für Margit und jede Menge Bier für uns.
Gefahrene Kilometer: 181,5
Montag: 14.8.2006:
Wieder stärken wir uns um 8 Uhr beim Frühstück und fahren um 9 Uhr 20 ab. Heute wollen wir in den Norden. Die Tour führt uns über Weitra, Gmünd, Schrems, Heidenreichstein, Litschau zum Grenzübergang Grametten. Hier versehen zwei strenge tschechische Damen den Grenzdienst und weisen Franz mit dem abgelaufenen Pass ab. Der österreichische Zöllner, der noch mal versucht die beiden umzustimmen, hat auch kein Glück. Wir suchen den nächsten Übergang. Laut Karte sollte es bei Litschau eine Möglichkeit geben. Wir fragen ein Mädchen, das mit dem Fahrrad unseren Weg kreuzt. Sie erklärt uns, wie man die Grenze erreicht. Sie ist bei Schlag und es stellt sich heraus, dass sie nur für Fußgänger geeignet ist. Also kehren wir wieder um und fahren nach Brand zum Übergang Neu-Nagelberg. Hier klappt es anstandslos – ist aber klar – ein Mann lümmelt hinter seinem Fenster und will sich Arbeit ersparen! Unsere Tour führt uns über Chlum und Lasenice nach Jindrichuv-Hradec = Neuhaus. Diese Stadt fasziniert uns auch wieder. Hier machen wir eine interessante Begegnung. Gerade als wir einparken und nicht benötigte Dinge verstauen, kehren vier Leute zu Ihren Motorrädern zurück. Zuerst fragt Didi Franz wieso er auf seinem Motorrad Stoppelreifen montiert hat. Er antwortet schön brav, ja weil wir ins Gelände fahren und weil wir schon in Tunesien waren. Aha, verlautet Didi: „Wo in Tunesien wart Ihr denn so?“ Erich schaltet sich ein: „Ja überall und auch in der Wüste!“ Wir alle dachten nun würden wir bewundert und bestaunt werden, doch das Gegenteil tritt ein. Didi meldet, dass er schon 15 Sahara Durchquerungen gemacht hat, mit dem Motorrad im Iran war, einige Länder in Afrika bereist hat und gerade von der Panamericana zurückgekommen ist, die er mit seiner Astrid und einem Toyota Landcruiser bearbeitet hat. Nun sind wir baff und lassen uns seine Webadresse geben:
http://untennachoben.de/
Die heißt so, weil sie die Tour von unten nach oben gefahren sind.
Er erzählt, dass er jetzt noch 2 ½ Jahre arbeiten muss, damit er danach wieder für 4 Jahre frei ist.
Wir parken am Hauptplatz, diesmal blockieren die Männer die Motorräder mit den eigenen Krallen und wir spazieren anschließend durch die Fuzo. In einem Hotel am oberen Platzende speisen wir zu Mittag. Die Männer essen eine Gans, für mich gibt es Brokkoli mit Käse überbacken und als Nachspeise Powidltascherln. Für Franz und mich kostet die Schlemmerei
20 €.
Wir machen auch noch einen Kurzbesuch in Telc.
Nach Hause fahren wir über Dačice, Slavonice, den Grenzübergang bei Kautzen, danach über Heidenreichstein, wo es leider in Strömen zu regnen beginnt. Es geht über Gmünd und Weitra nach Harbach zurück. Wir erreichen es um ca. 18 Uhr, die Wolkendecke beginnt aufzureißen, der Himmel wird blau. Zum Abendessen gibt es für die anderen Speckknödelsuppe, für mich Backerbsen, danach Ravioli mit Spinatfülle für mich und Wiener Schnitzel für die anderen. Als Nachspeise erhalten wir Zwetschkenfleck.
Gefahrene Kilometer: 284
Dienstag: 15.8.2006:
Wir frühstücken wieder um 8 Uhr, sind aber entsetzt, weil die Wettervorherschau für heute den schönsten der vier Tage gemeldet hat, es aber leider regnet! Also beeilen wir uns nicht sonderlich mit unserer Morgenmahlzeit. Nichts desto trotz müssen wir die Zelte abbrechen, die Mopeds aufpacken, die Regengewänder anziehen und um 9 Uhr 30 starten. Wir suchen unseren Weg über Weitra nach Zwettl. Hier wird getankt und dann ein Abstecher zum Stift gemacht. Weiter geht es über Pöggstall nach Melk. Oh Wunder – hier hört doch glatt der Regen auf! Wir parken unsere Fahrzeuge inmitten von Campern mit wohlklingenden Vornamensschildern in der Windschutzscheibe – wie z.B.: Joachim. Da Margit und Erich das Stift noch nicht kennen, machen wir eine Kurzbesichtigung – wir marschieren durch alle Innenhöfe, spähen in den Garten und verabschieden uns dann wieder. Wir lassen auch Joachim mit seinem Schmähbauch und dem ärmellosen weißen Unterhemd hinter uns. Unser Weg führt weiter über Scheibbs und Lunz am See. Leider hat sich in dem Lokal unserer Wahl ein Busladung alter Damen niedergelassen und wir müssten 1 Stunde warten, bis eine Bestellung entgegengenommen werden könnte. Da wir flexibel sind, und nicht direkt am See dinieren müssen, reisen wir weiter, bis wir unterwegs ein schnuckeliges Gasthaus mit Gastgarten erblicken. Zwei Motorradfahrer haben sich hier niedergelassen. Also fühlen auch wir uns wie zu Hause. Das Essen schmeckt uns, Margit und Erich bestellen das Menü mit Cordon Bleu, Franz ein Bauernkotelett und ich Schinkenfleckerln – ausgezeichnet. Für Franz und mich kostet es 23 €. Unser Heimweg führt uns über Hieflau, Eisenerz, Vordernberg, Traboch, Knittelfeld, Obdach, Twimberg. Auf der Hebalm kehren wir noch beim Reini in der Rehbockhütte auf eine Mehlspeise ein.
Bei der Abzweigung über das Gamsgebirge verabschieden wir uns von Margit und Erich. Um 18 Uhr sind wir zu Hause und wieder um eine Erfahrung reicher!
Gefahrene Kilometer: 451,3
Gesamtkilometer: 1.499